Field-Test JOBO LensTrue-System

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    • Field-Test JOBO LensTrue-System

      Hallo zusammen,

      ich hatte kürzlich die Gelegenheit, eines der verfügbaren LensTrue-Systeme testen zu können
      und möchte kurz dazu berichten:

      Ausgangssituation:
      In Schwäbisch Gmünd gibt es eine quadratische Wanduhr des Designbüros Biegert&Funk (qlocktwo), die an der Aussenfassade eines Gebäudes angebracht ist. Die Unterkante der Uhr ist etwa 7m vom Boden entfernt. Die Kantenlängen der Uhr betragen ca. 4m. Gegenüber befindet sich ein einstöckiges Bahnhofsgebäude und dazwischen der Vorplatz des Bahnhofes. Man kann die Uhr also nicht aus der selben Höhe, parallel zum Boden, fotografieren, sondern nur vom Boden aus nach oben gerichtet.

      Test:
      Vom Bahnhofsvorplatz habe ich vom Boden aus die Uhr mit Gebäudeanteilen fotografiert, die Kamera war dabei nach oben gerichtet. Zum Einsatz kam eine 645Z mit smc D FA 645 55 mm / 2,8 AL [IF] SDM AW. Der Abstand zur Uhr betrug ca. 25m. Natürlich ergeben sich auf dem Foto unerwünschte stürzende Linien. Mit dem LensTrue-System von Jobo sollten diese später ausgeglichen werden. Als Vergleich habe ich dazu die upright-Funktion von Lightroom getestet. Die Jobo-Software wurde auf meinem MacBook Pro 15" Mitte 2014 mit OSX 10.11.4 getestet, 2,5 GHz Intel Core i7, 16 GB RAM.

      Workflow der Aufnahme:
      Für die Aufnahme muss zunächst das LensTrue-Kästchen unter die Kamera geschraubt werden (Stativschraube). Dann wird die Längskante exakt parallel zur Kamera ausgerichtet. Dabei muss man sich auf das Augenmaß verlassen und auch immer wieder überprüfen, dass das Kästchen nicht beim Einsatz verrutscht. Nun kann man eine Kalibrierung starten, in dem ein Testfoto aufgenommen und mit der beigefügten Software eingelesen wird. Die Software richtet die Kanten des Fotos gerade aus (ähnlich wie upright in Lightroom) und dann überprüft man, ob manuelle Korrekturen notwendig sind. Diese Korrekturen können in ein Dialogfeld der Software eingegeben werden und werden dann für alle weiteren eingelesen Fotos übernommen. Zur Software später mehr. Jetzt noch die SD-Karte in der Kamera formatieren, den Zähler der Kamera auf "0" stellen, vorher noch checken, dass die Uhrzeit der Kamera mit der Uhrzeit des Computers auf dem später eingelesen wird, übereinstimmt. Dann gehts los. HALT - LensTrue-Kästchen einschalten nicht vergessen und Synchronkabel des Gerätes mit der Synchronbuchse der Kamera verbinden. Jetzt aber!

      Workflow der Software:
      Bisher habe ich immer meine RAW-Fotos aus der Kamera (DNG) mit Lightroom CC eingelesen, dort sortiert, markiert, geordnet. Und dann die RAW-Entwicklung vorgenommen. Im Anschluss daran nach Photoshop als PSD oder TIF exportiert und dort alle Feinarbeiten oder Composings gemacht.

      Der Workflow ist nun ein anderer. Die Jobo-Software ist schnell installiert. Sie funktioniert mit einem mitgelieferten Dongle an meinem MacBook. Die RAW-Bilder kopiere ich von der SD-Karte manuell auf meine Festplatte. Mit Bridge mache ich eine erste Sichtung und markiere 10 Bilder, die ich gerne bearbeiten möchte. Es lohnt sich, hier schon die Gesamtzahl der Bilder vernünftig zu reduzieren, denn das Konvertieren mit der Jobo-Software kann zeitaufwändig sein und hohe Datenmengen produzieren (siehe weiter unten). Nun verbinde ich das LensTrue-Kästchen mittels USB mit meinem MacBook; es erscheint dort als Laufwerk. Darauf befindet sich eine Log-Datei meiner Aufnahmen mit TimeCode. Diese Datei kopiere ich in meinen Bilderordner auf der Festplatte. Jetzt wähle ich in der Jobo-Software den Pfad zur Log-Datei aus und zu meinem Bilderordner. In der Software werden mir Vorschaudaten der Bilder angezeigt. Ich wähle die 10 vorher markierten Bilder zum Konvertieren aus, los geht's. Der Vorgang dauert etwa 20-30 Sekunden pro Bild. Statt meinen RAWs im DNG-Format, die je etwa 70 MB Größe haben, liegen nun konvertiere Daten im TIFF-Format vor, mit jeweils etwa 460 bis 550 MB. Die Software hat erstaunlich genau gearbeitet und neben der Ausrichtung der Kanten auch die (minimale) optische Wölbung des Pentax-Objektives korrigiert. In den Korrekturprozess kann ich zudem manuell eingreifen und nach meinem persönlichen Geschmack korrigieren.

      An dieser Stelle knüpft dann mein gewohnter Workflow an. Die TIF-Daten kann ich in Lightroom importieren und dort entsprechend entwickeln und weiter nach Photoshop exportieren.

      Ergebnis:
      Ich zeige ein von der Jobo-Software konvertiertes TIF und im Vergleich dazu, ein in Lightroom eingelesenes DNG, welches mit der Lightroom-Funktion "upright" korrigiert wurde. Beide Bilder wurden anschließend auf 800px bei der langen Kante mit 100dpi als JPG ausgegeben (keine Datenreduktion bzw. beste Qualität). Man sieht deutlich, dass die Jobo-Software die Kanten genauer ausgerichtet hat.

      IMGP0033_lensTrue.jpg IMGP0033_LR.JPG

      Jobo-Software (links). Lightroom CC upright-Funktion (rechts).


      Fazit:
      Das Handling des LensTrue-Kästchens benötigt eine Reihe zusätzlicher Arbeitsschritte, die in den Workflow integriert werden müssen. Die Montage des Kästchens und die parallele Ausrichtung an der Kamera könnten besser gelöst sein. Wie schnell verrutscht das Kästchen leicht beim Abstellen der Kamera! Einschalten des Kästchens darf auch nicht vergessen werden, Synchrokabel einstecken und mit der Kamera verbinden ebenfalls.

      Bei der Entwicklung der RAW-Daten wird mein Workflow um zahlreiche Arbeitsschritte am Beginn erweitert. Statt Lightroom nutze ich Bridge für die Vorauswahl der Daten. Dann konvertiere ich die Daten in der Jobo-Software. Dann importiere ich diese Daten in Lightroom und entwickle die Bilder (Weissabgleich, Kontrast, etc.) wie gehabt. Mein Lightroom-Katalog enthält jetzt nicht mehr alle Bilder des Shootings, sondern nur noch die Ausgewählten.

      Für bestimmte Aufnahmen, gerade im Bereich Architektur oder Landschaft, ist die Jobo-Lösung sicher sehr hilfreich. Ein Modeshooting, bei dem es manchmal wild zugeht und viele Daten entstehen, würde ich nicht mit diesem System machen - obwohl es gerade bei Portraits die Verzerrungen von Gesichtern gut ausgleichen würde. Aber der Workflow wäre mir dafür zu zeitraubend und die anfallenden Datenmengen zu groß.

      Mein Field-Test entspringt eher der Praxis als dem Labor. Für mich bildet das deutlicher die Realität des Alltags ab. Ich hoffe er ist dennoch hilfreich. Wenn ihr Fragen habt, gehe ich sehr gerne darauf ein.

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